Fliegerhorst Trollenhagen

Zum Fliegerhorst Trollenhagen liegt mir ein Fülle von Material vor. Der nachfolgende Beitrag kann daher nur ein kurzer Abriß der Geschichte des Platzes sein. Das Copyright für sämtliche hier verwendeten Abbildungen und Texte liegt bei wolff@radarturtorial.eu. Meinen herzlichen Dank für die gewährte Unterstützung.

Ein Fliegerhorst im Wandel der Zeiten

von Werner Bartsch

Auf halbem Wege zwischen Berlin und der Ostseeküste, auf einem Plateau am nördlichen Stadtrand von Neubrandenburg, mitten im Herzen Mecklenburg- Vorpommerns, liegt der Fliegerhorst Trollenhagen. Die kleine Gemeinde Trollenhagen, im Jahre 1308 erstmals urkundlich erwähnt und nordwestlich des Platzes gelegen, gab dem Fliegerhorst seinen Namen.

Neubrandenburg, auch die "Vier Tore Stadt" genannt, entstand auf dem heutigen Territorium schon im 12. Jahrhundert. Der Grundstein für die Stadtgründung wurde im Jahre 1248 durch den Ritter Herbord van Raven gelegt. Aus diesem Grund wird 1998 das 750- jährige Stadtjubileum gefeiert. Der Stadtkern wurde bereits um 1300 durch die Errichtung einer steinernen Wehranlage nach außen gesichert. Die noch heute in großen Teilen erhaltenen Wallanlagen und die vier Stadttore, sie gaben Neubrandenburg den Namen "Vier Tore Stadt", künden noch heute vom Wohlstand der Stadt im 14./15. Jahrhundert.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt nach Besetzung durch schwedische Truppen fast völlig zerstört. Als Folge davon mußte die Stadt im Jahre 1665 Konkurs anmelden und alle städtischen Besitzungen gingen an Gläubiger. In den Jahren darauf entwickelte sich Neubrandenburg immer mehr zur Vorstadt des Stargardschen Kreises, blieb vom Charakter aber immer eine Provinzstadt. Das Schaffen des bekannten Dichters und Denkers Fritz Reuter in den Jahren 1856-1863 ist wohl eines der wenigen historisch bedeutsamen Ereignisse in den folgenden 250 Jahren Stadtgeschichte.

1933 wird Neubrandenburg Garnisonsstadt. Es entstehen Panzerkasernen, Rüstungsbetriebe und der Fliegerhorst. Innerhalb der getarnten Aufbauphase der "Neuen Luftwaffe" wird der Fliegerhorst am 20.04.1934 feierlich eingeweiht und bis etwa 1942 weiter ausgebaut. Am 15.01.1936 verlegt die "Fliegergruppe Tutow" mit Do 11 und Do 23 von Tutow bei Demmin nach Neubrandenburg und wird I. Gruppe Fliegergeschwader Greifswald (manche Quellen sprechen auch von I. Gruppe Kampfgeschwader 252). Zum 01.04.1936 erfolgt die Umbenennung in I. Gruppe Kampfgeschwader 152. Am 20.04.1936 stiftet der Reichsbund "Kyffhäuser" dem Geschwader 27 Kampfflugzeuge JU 52/3m. Aus diesem Anlaß erhält das Geschwader am 01.05.1936 den Traditionsnamen "Hindenburg", bleibt aber friedensmäßig ein Lehrgeschwader. Am 27.11.1936 erfolgt die Übergabe der Truppenfahne an I. KG 152. Im Frühjahr 1937 verlegt der Geschwaderstab nach Neubrandenburg. Zum Jahresende werden dem Geschwader Aufklärer unterstellt.

Nach zwei Einsätzen im Sudetenland Ende 1938 und Anfang 1939 und Umrüstung auf die HE 111 H2 erfolgt zum 01.05.1939 die Umbenennung in I. Kampfgeschwader 1 "Hindenburg". Im September 1939 verläßt die I. KG 1 "H" Neubrandenburg in Richtung Gießen und kehrt nicht mehr an den Fliegerhorst zurück.

Während des Krieges, in den Jahren 1939-44 ist der Fliegerhorst Sitz der Fliegerschule B5, später C5 mit der Focke- Wulf Weihe und der Do 17 Z sowie der Do 217 als Nachfolgemuster. Im Jahre 1940 wird mit dem Aufbau einer Flugzeugwerft begonnen und im Zuge des sogenannten Jägerbauprogramms unter Mitwirkung einiger Firmen u. a. Focke- Wulf, Arado und Weserflug ein Endmontagewerk errichtet, in dem die FW 190 A montiert und eingeflogen wird. Durch zwei Bombenangriffe amerikanischer Verbände am 25. August und 05. Oktober 1944 wird ein Teil der Flugzeughallen, Unterkünfte und Teile des Rollfeldes zerstört. Noch bis 1994 zeugen Ruinen von diesen Luftangriffen, bei denen Me 110 den Flugplatz verteidigten. Eine Me 110 soll dabei abgeschossen worden sein und sich noch heute tief versunken im Untergrund eines Teiches am Ostrand des Flugplatzes befinden.

Am 08. März wird der Fliegerhorst Sitz des Stabes der 1. Fliegerdivision, bevor am 29. April 1945 sowjetische Truppen aus Richtung Prenzlau anrückten und den Fliegerhorst besetzten. Die sowjetischen Truppen haben kein Interesse an der Nutzung des Flugplatzes. Unterkünfte und sonstiges Gebäude finden Verwendung als Garnison für Luftlandetruppen und als Internierungslager. Im Rahmen der Bodenreform 1946-47 werden Teile des Flugplatzes, der Unterkünfte und anderer Gebäude abgerissen und als Baumaterial für Neubauten in den umliegenden Gemeinden benutzt. Im Jahre 1956 verlassen die letzten sowjetischen Truppen Neubrandenburg und am 5. September des gleichen Jahres übernehmen Vertreter der Nationalen Volksarmee die Garnison Trollenhagen.

In den folgenden Jahren erfolgt die Beseitigung der umfangreichen Schäden auf dem Flugplatz, bevor im Oktober 1961 das Jagdfliegergeschwader 2 und der neueingerichtete Stab der 3. Luftverteidigungsdivision ihren Dienst aufnehmen. Unterstützt wird das JG2 durch das Fliegertechnische Bataillon 6, das am 01.12.1959 aus der Fliegertechnischen Basis Rothenburg / Görlitz gebildet wird. Am 01.12.1961 erfolgt die Umbenennung in Fliegertechnisches Bataillon 2 und Übernahme in den Bestand der 3. LVD in Trollenhagen. Die ersten Flugzeugfanganlagen werden 1964 eingebaut.

In den folgenden Jahren gehören dem JG2 verschiedene Flugzeugmuster an, hier eine kurze Auflistung:

1961 - 1968 MiG17F, Mig15UTI 1966 - 1968 MiG17PF als Übernahme einer Staffel vom JG3 ab 1967 - 1968 MiG21PFM, MiG21U ab 1971 IL28 operativ unterstellt ab 1972 MiG21SPS/K, MiG21US. Ende 1987 Mig21SPS Übernahme vom JG1 und Beginn der Aussonderung MiG21PFM 1989 MiG21M Übernahme vom aufzulösenden JG7

Im Zuge einer Reformierung der Streitkräfte im Jahre 1990 wurde aus dem FTB2 die Flugplatzbasis 33. Im Rahmen der Wiedervereinigung und Auflösung der Nationalen Volksarmee war am 27.09.1990 der letzte Flugtag beim Jagdgeschwader 2 "Juri Gagarin" und somit auch der letzte Flugtag eines auf dem Fliegerhorst Trollenhagen beheimateten Fliegenden Verbandes. Flugzeugbestand des Jagdgeschwader 2 "Juri Gagarin" am 30.09.1990: 31 MiG21M, 12 MiG21SPS/K, 8 MiG21UM.

Die Flugplatzbasis 33 (eine Zusammenfassung rückwärtiger Dienste eines Geschwaders) bildete die Grundlage für den Aufstellungsstab Luftwaffenversorgungsregiment 5, der am 03. Oktober 1990 eingerichtet wird. Im Beisein von Neubrandenburgs Oberbürgermeister erhält das Luftwaffenversorgungsregiment 5 am 27. September 1991 seine Truppenfahne und wird am 01. Oktober 1991 in Dienst gestellt.

Mit dem Luftwaffenversorgungsregiment 5, dem personell stärksten Luftwaffenversorgungsregiment, wird ein großer Verband der "Neuen Bundeswehr", allerdings kein fliegerischer, in Neubrandenburg heimisch. Eine der ersten Aufgaben wird in der Folgezeit die Abstellung von ca. 6000 Kraftfahrzeugen im Rahmen MDSG auf großen Teilen der Flugbetriebsflächen. In den kommenden Jahren erfolgen umfangreiche Baumaßnahmen auf dem Fliegerhorst , unter anderem ein Anti-Skid- Belag für die Start- und Landebahn im Jahre 1992-93, Restaurierung von zwei noch erhaltenen Werfthallen und Einrüstung von PAR80 und TACAN.

Im Nordwesten des Flugplatzes entsteht die zivile " Flughafen Neubrandenburg- Trollenhagen GmbH" mit einem modernen Gebäude für die Pasagierabfertigung und Luftaufsicht.

Zum Luftwaffenversorgungsregiment 5 gehört auch eine Fliegerhorststaffel mit Flugsicherungsbetriebspersonal und Feuerwehr, die seit Januar 1995 die Funktion als AMOB (Alternate Main Operating Base) für das Jagdgeschwader 73 "General Steinhoff" und seiner QRA mit der MiG29 sicherstellt.

Im Jahre 1996 erhalten nach umfangreicher Ausbildung durch das militärische Flugsicherungskontrollpersonal zwei Flugleiter der zivilen "Flughafen Neubrandenburg- Trollenhagen GmbH") die militärische Flugsicherungslizenz für die Platzkontrolle, ein wohl einmaliger Vorgang in der Bundeswehr. Von der Funktion als ein Hauptausweichflugplatz für Verbände der NATO ist jedoch nicht viel zu spüren. Einziger fliegender Verband, der den Flugplatz Trollenhagen bis heute (Zur Erinnerung: der Bericht entstand ca.1997) als Übungsplatz genutzt hat und das sogar unter KRK- Bedingungen, ist ein belgischer F16- Verband, das 10. WING TAC aus Kleine- Brogel, als Vorübung für den bevorstehenden TACEVAL. Regelmäßige (wenn auch nicht häufige) "Kunden" in Neubrandenburg sind neben der Transall im Rahmen von Lufttransportaufgaben, Tornados der entsprechenden Einsatzverbände und Hubschrauber. Die zivile Mitnutzung des Flugplatzes, z. B. Pilotentraining ziviler Fluggesellschaften, macht einen nicht unerheblichen Teil des Flugverkehrsaufkommens aus.

Bessere Arbeitsbedingungen für die Flugsicherung sowie besseren Service für die Piloten erhofft man sich durch die Verzögerte und sehnlichst erhoffte Einrüstung der ASR910 im Jahre 1998 und Installation einer modernen Flugplatzbefeuerung sowie ILS bis 1999. Bis zum Neubau des Kontrollturms und des AK- Gebäudes müssen die FS- Kontrolleiter weiterhin aus der umgebauten " Gedeckten Flugleitung" (GDFL, eine Art Shelter mit angesetzter Glaskanzel, arbeiten. Eine Hoffnung für die Zukunft des Fliegerhorstes Trollenhagen bedeutet die Einstufung als "Point of Entry" im Rahmen KSE zum 1. Januar 1998.


Halle 4 (Halle 36) vorgestern (Wehrmacht), gestern (NVA) und heute (Bundeswehr):

(inzwischen geräumte) Ruinen der im Krieg zerstörten Halle 5:

Der alte Tower:

Flugbetrieb zur NVA- Zeit:

Mannschaftsraum im Flugzeugshelter (zu NVA- Zeiten genutzt):


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